Gute Geister – „Klappe, die vierte“
Mit diesem Bericht setzen wir unsere Serie fort, in der wir in unregelmäßigen Abständen über "gute Geister" berichten möchten. Das sind Menschen, die still und leise Gutes für Oberjosbach tun, ohne es "an die große Glocke zu hängen". Wir wollen damit die Arbeit dieser guten Geister wertschätzen und uns dafür bedanken. Außerdem möchten wir zeigen, wie viel ehrenamtliches Engagement es in Oberjosbach gibt, auch außerhalb der Vereine und Institutionen, oft fast im Verborgenen und damit außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung.
Wer ist denn der gute Geist? Und wie kam es dazu?
Heute widmen wir uns einem besonderen guten Geist: Ohne ihn würde vieles im Ort nicht so geschmeidig laufen. Mit dem einfachen Satz „Hallo, kann ich helfen?“ hatte es begonnen. Hatte er doch vor gut 20 Jahren die Baustelle „Brunnenplatz“ in seiner direkten Nachbarschaft genau im Blick. Rudi wollte helfen, konnte helfen und durfte helfen! So kam es, dass er von Anfang an dabei war: bei den Tiefbauarbeiten für die Zisterne, bei der Verlegung der vielen Rohrleitungen, dem Abbau der Pumpensäule am Pfarrhaus und Aufbau am Brunnenplatz, bis hin zur Installation des Brunnens mit seiner Eröffnung. Heute ist er der "Brunnenmeister" des Dorfbrunnens.
Es handelt sich um niemand anderen als um Rudolf Gottschalk - unseren Rudi, den Bastellini und Brunnenmeister.
Seit 30 Jahren wohnt Rudi nun in Oberjosbach. Das Schicksal hat ihn zufällig hierher verschlagen: Nach der Wende, viel und lange als Leiharbeiter unterwegs, machte er sich einen guten Namen. Dies brachte ihm nicht nur eine Festanstellung in seinem erlernten Beruf als Heizungsbauer ein, sondern auch ein festes Domizil mit Umzug von Berlin nach Oberjosbach - leider auch eine zerbrochene Ehe. Zuviel Lebenszeit auf der Straße, so die wehmütige Erkenntnis. Doch mit dem Umzug kam eine neue Zeitenwende und es ging bergauf – kurze Wege zur Arbeit und mehr Zeit für neue Dinge.
Zum 01.04.1996 erfolgte der Umzug in die neue Wohnung, die beiden Monate davor hatte er noch Quartier im Lindenkopf. Damals kannte er noch keinen im Ort und man kannte ihn nicht. Mehr Details zu seinem Werdegang finden sich in der Oberjosbacher Dorfzeitung, Ausgabe 34 (Juli 2010) im Artikel „Ein Weg zur deutschen Einheit“.
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Als geselliger Mensch fand Rudi schnell Kontakt und Anschluss. Sein erster Kontakt führte über Wulf Schneider. Man kann erahnen, dass dieser Kontakt nicht ohne Folgen bleiben würde. Sein Engagement beim Kegeln in der damaligen Bauerstube, zunächst mit „den Ehlhaltener“, dann mit den „Oberjosbachern“, brachte ihm den Zugang zu den Oberjosbachern. Doch auch die Besuche aller Veranstaltungen im Ort ermöglichten ihm, die Einheimischen kennen zulernen. Im privaten hat das gut funktioniert, im beruflichen begegnete man ihm anfangs mit Skepsis und Distanz. Doch davon ließ Rudi sich nicht unterkriegen; schließlich leistete er gute Arbeit und das wurde honoriert.
Was macht ihn zu einem guten Geist? Und was macht er so alles im Ort und für den Ort?
Mitarbeit im Förderverein 800 Jahre Oberjosbach - Brunnenmeister
Über den Brunnen und die Bekanntschaft mit Wulf Schneider wurde Rudi Mitglied im Förderverein 800 Jahre Oberjosbach und Mitglied des Vorstandes - als Brunnenwart. Von Beginn an betreut Rudi den Brunnen, als Mann vom Fach (Gas- und Wasser- Installateur) war er prädestiniert und durch sein Kümmern bestens geeignet. Doch es ist nicht nur der Brunnen mit der dazugehörigen Technik und eventuelle Reparaturen, um die er sich kümmert, sondern auch um das Umfeld des Brunnens, mit Manfred-Racky-Platz und Grünfläche. Stets hat er einen Blick auf die Grünanlage, ob Unrat rumliegt, ob die Bänke sauber sind oder einen Schutzanstrich benötigen, ob die Pergola noch in Takt ist oder erneuert werden muss.
Im letzten Jahr war das dann der Fall und die Pergola wurde nach über zwanzig Jahren erneuert. Natürlich hat Rudi dieses Projekt betreut und begleitet - auch dies ein ehrenamtlicher Zeit- und Kraftakt. Die Planung mit dem Holzbauer, dann die Umsetzung, Demontage der alten Pergola mit vielen weiteren ehrenamtlichen Helfern und die Montage der neuen Pergola. Das alles will organisiert sein. Mittlerweile ist die Pergola errichtet und alles ordentlich. Alle zwei bis drei Tage schweift sein Blick über den Brunnen und den Platz. Ist etwas zu tun, zu richten oder zu säubern? Und damit der Wasserhahn an der Trinkwassersäule gangbar bleibt, wird er auch mal kurz aufgedreht.
Fünfmal im Jahr findet ein größerer Pflegegang mit weiteren Ehrenamtlichen statt – und Rudi ist stets dabei. Es werden Sträucher geschnitten, Unkraut beseitigt oder mal ein Pflänzchen ausgetauscht.
Auch für sonstige, durch den Förderverein initiierte Tätigkeiten ist Rudi stets bereit und packt mit an. Da wird zum Beispiel mal eine neue Infotafel am Pfingstweidweg aufgestellt; da wird Material und Handwerkszeug für die Schilderaktion beim Spielplatztreff gestellt; da werden mal eben Tische und Stühle für die Apfelweinprobe aufgestellt.
Kreativität und Engagement bei den Theaterfreunden (TFO)
Seit dem 70-jährigen Jubiläum der Theaterfreunde Oberjosbach e.V. ist Rudi Mitglied bei den Theaterfreunden. Alle Vorstellungen hat er gesehen und seit er Ende 2019 im Ruhestand ist, ist er dort für das Bühnenbild verantwortlich. Seine Kreativität brachte ihm den Namen „Bastellini“ ein. Eine Tätigkeit, die ihn das ganze Jahr beansprucht; von der Umsetzung des vorgegebenen Bühnenbildes über die Fertigung und Aufstellung bis hin zur Betreuung während der Vorstellungen. Und das nicht nur bei den Theatervorführungen im Herbst, sondern auch bei der Kleinkunst im Frühjahr. Das ist viel Arbeit hinter den Kulissen, die man als Zuschauer vor der Bühne gar nicht so würdig wahrnimmt!
Mitinitiator der jährlichen Rathausbelagerung
Seit 2022 feiert Oberjosbach am 11.11. zwar nicht den Sturm aufs Rathaus, aber die Belagerung des Alten Rathauses. Rudi gilt als Mitinitiator. Eine Aktion der Gusbacher Narren des TFO mit wachsender Zuschauerzahl, bei der feierlich die närrischen Regeln zum Beginn der fünften Jahreszeit proklamiert werden. Mit Weck, Worscht und Woi werden Spenden für einen guten Zweck gesammelt.
Weitere ehrenamtliche Mitarbeit
Doch auch bei den Arbeitseinsätzen von OJA (Oberjosbach Aktiv) und der Aktion Saubere Flur des Vereinsrings ist Rudi mit von der Partie. Man kann fast sagen, überall wo Bedarf ist oder wo es „brennt“ hilft er gerne mit und aus. Ob beim Aufstellen der Weihnachtshütte der TGO für den Weihnachtsmarkt oder ob Dienste bei Festivitäten zu besetzen sind, Rudi hilft gerne. Ob samstags bei der Kerb, dem Tag der Feuerwehr oder dem Sommerfest der Feuerwehr, überall ist er zu finden. Auch wenn es daran geht, die Weihnachtsbeleuchtung am Rathaus und an der neuen Pergola anzubringen, legt er helfende Hand an.
Ein echter guter Geist eben, der vor kurzem einen runden Geburtstag feiern konnte. Wir wünschen alles Gute, lieber Rudi, und dass du weiterhin so tatkräftig mit anpackst. Vielen Dank!
Mehr gute Geister
Abschließend ein dickes Dankeschön an alle unsere „guten Geister“, die sich – teils seit vielen Jahren - ehrenamtlich und rund um das Jahr kümmern; auch wenn sie hier nicht namentlich erwähnt sind. Oberjosbach sagt herzlichen Dank an alle diese Ehrenämtler!
Kennen Sie auch "gute Geister"? Oder sind Sie gar selbst ein solcher guter Geist?
Dann nehmen Sie bitte Kontakt mit unserem Redaktionsteam auf.
Wer einen Blick in die weiteren Berichte über die „guten Geister“ werfen möchte, wird hier fündig: